Stolpern … um sich zu erinnern! Der Arbeitskreis Ludwigshafen setzt Stolpersteine zieht seine Jahresbilanz 2013

In einer Stadt wie München wird noch immer darum gerungen, dass Stolpersteine verlegt werden dürfen. Dort sind es Privatpersonen, die sich für diese Gedenkform einsetzen. In Ludwigshafen gibt es bereits seit 2007 aktive Menschen, die sich für die Verlegung von Stolpersteinen engagieren. Stolpersteine sind nicht die einzige Gedenkform, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert, aber sie bilden eine besondere Form, um Gedenken als sichtbares Erinnern mitten in den Alltag einer Stadt zu bringen. 144 verlegte Stolpersteine geben Zeugnis – davon wurden im Jahr 2013 allein 21 Steine verlegt.

Worin liegt der Nutzen von Stolpersteinen?
•    Stolpersteine zu verlegen, das bedeutet Gedenkzeremonien zu gestalten, die über das oft schon beinah vergessene Schicksal der jeweiligen Person oder der Familie informieren und darüber hinaus ein Innehalten im öffentlichen Raum bedeuten. Der Verlegeort ist ja immer auch ein „Tatort“ gewesen.
•    Verlegte Stolpersteine bilden oft den einzigen Gedenkort für Angehörige, deren Familien im Konzentrationslager ermordet wurden. Wo sonst kann trauern möglich sein? Das Gedenken mit Stolpersteinen ist wie ein „Netz durchziehendes Denkmal“, das die Geschichte von damals mit unserem Alltag heute verbindet.
•    Gedenken ist Teil einer Erinnerungskultur einer Stadt, die sich auch mit den Menschen ändert, die sie ansprechen soll. Wir wenden uns an viele junge Menschen in Ludwigshafen  – Schülerinnen und Schüler - bei denen der Nationalsozialismus zwar zur Geschichte „ihrer“ Stadt gehört, aber nicht die „ihrer“ Großeltern und Familie ist. Flucht, Fluchterfahrung, Repression, Unterdrückung von Minderheiten, Verfolgung und Neuanfang sind die menschlichen Erfahrungen, an die angeknüpft wird und aufrufen soll zu Verständnis, Toleranz, Friedlichkeit und Miteinander. Rassismus, Ignoranz und Gewaltherrschaft sind Parameter einer Diktatur – eine demokratische Stadtgesellschaft braucht gemeinsames Erinnern, um sich freiheitlicher, toleranter und liberaler Grundwerte zu vergewissern.

Das ist der Nutzen von Stolpersteinen. Ein Weg, um die Erinnerung zu bewahren und mit unserem heutigen Leben zu verknüpfen.

Der Arbeitskreis Ludwigshafen setzt Stolpersteine legt in einer Übersicht eine Jahresbilanz aller Veranstaltungen im Jahr 2013 vor. Die Verlegungen von Stolpersteinen bilden den Anlass, daraus sind allein in diesem Jahr 17 Veranstaltungen entstanden, die 1.000 Menschen in Ludwigshafen erreicht haben. Vielfältig, kreativ und aktiv.

Jahresbilanz 2013: Daten

23.02. Koffer gepackt und überlebt! Ernst-Bloch-Zentrum 80 Besucher_innen
Präsentation der Unterrichtsmaterialien
25.02. Schulbesuche mit Judith Rhodes
Geschwister-Scholl-Gymnasium 40 Schüler_innen
IGS Gartenstadt 25 Schüler_innen
26.03. Max Diamant – Überzeugung leben! VHS Ludwigshafen 45 Besucher_innen
26.04. Ursula Michel: Als Jugendliche im Kindertransport VHS Ludwigshafen 45 Besucher_innen
Heinrich-Böll-Gymnasium / Teil der Lesenacht einer 7. Klasse
26.05. Sonntagsspaziergang – Stolpersteine Stadtmuseum Ludwigshafen 27 Besucher_innen
24.09. Drei Schullesungen mit Anita Lasker-Wallfisch Geschwister Scholl Gymnasium 100 Schüler_innen
25.09. Zwei Schullesungen mit Anita LW BBS Technik I und II 120 Schüler_innen
26.09. Lesung und Gespräch mit Anita Lasker-Wallfisch Ernst-Bloch-Zentrum 120 Besucher_innen
26.09. Schullesung mit Anita LW Pfalz-Kolleg-Speyer 150 Besucher_innen
26.10. Erinnerung aufpolieren Putzaktion Stolpersteine 20 Helfer_innen
28.10. Stolpersteinverlegung Jaegerstraße 9 Carl-Bosch-Gymnasium 50 Gäste /Schüler_innen
Stolpersteinverlegung Berliner Str. 48 25 Gäste
28.10. Gedenkzeit an die Oktoberdeportation 1938 IGS Gartenstadt, IGS Oggersheim 120 Schüler_innen
Carl-Bosch-Gymnasium 30 Gäste
IGS Edigheim, Max-Planck-Gymnasium
Realschule plus am Ebertpark
29.11. Blaudes, Flashmob und Film Haus der Medienbildung 15 Gäste
08.12. Stolpersteine-Sonntagsspaziergang Stadtmuseum Ludwigshafen 8 Gäste

•    Internationale Kontaktpflege mit Angehörigen persönlich, telefonisch und per Mail und Betreuung bei Besuchen.
•    Seit November 2013 sind auf SWR 2 die ersten beiden akustischen Stolpersteine zu Ursula und Lilli Michel zu hören – seit 12/2013 zu Mayer Nathan Händler.
•    Monatliche Planungssitzungen und Treffen des Arbeitskreises im Stadtarchiv Ludwigshafen
•    Ca. 1.000 Menschen mit 17 Veranstaltungen erreicht
•    Kooperationen mit 10 Schulen  / mit zahlreichen städtischen Einrichtungen / hohe und breite Öffentlichkeitswirkung durch aktive Pressearbeit.
•    Information und Präsentation  der Fachöffentlichkeit: 6. Juni: Kulturausschuss der Stadt Ludwigshafen / 13.9.: Gedenkbeirat des Bezirksverbandes / 27.10.: LAG Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen RLP
•    Fundraising und Sponsoring Tätigkeit