Gedenkstunde zur Erinnerung an die am 28. Oktober 1938 deportierten "Ostjuden"

Als "Polen-Aktion" wurde die Ausweisung von rund 17.000 polnisch-stämmigen Juden aus Deutschland am 28. Oktober 1938 bezeichnet. Aus Ludwigshafen wurden 166 Menschen vertrieben, denen "der Aufenthalt im deutschen Reichsgebiet verboten" wurde. Sie alle wurden in der Nacht aus dem Schlaf gerissen, mussten in wenigen Minuten ein paar Habseligkeiten packen, wurden zusammengetrieben, in Eisenbahnwaggons verfrachtet und an die polnische Grenze transportiert. Die polnischen Grenzposten ließen die Menschen nicht in das Land, so dass sie einige Tage und Nächte im Niemandsland, ohne Verpflegung oder festes Dach über dem Kopf ausharren mussten. Einige starben entkräftet, bis die Polen die Menschen aufnahmen. Für viele der Deportierten endete ihr Lebensweg in den Vernichtungslagern der Nazis.

Ludwigshafen setzt Stolpersteine e.V. lud am 28. Oktober zu einer Gedenkstunde im Wilhelm-Hack-Museum ein, um an die im Herbst 1938 deportierten 166 Ostjuden aus Ludwigshafen zu erinnern. Um 14.30 Uhr begann die Veranstaltung mit der Einführung „Sehnsuchtsort Ludwigshafen: Ostjüdische Träume“ durch den Leiter des Stadtarchivs Dr. Stefan Mörz. Musiker der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz spielten das Streichquartett Nr. 8 c-Moll op. 110 von Dimitrij Schostakowitsch, das die Widmung trägt: "Im Gedenken an die Opfer des Faschismus und des Krieges".

Zum Abschluss verlasen die Teilnehmer die Namen der Opfer und hängten 166 symbolisch mit diesen Namen beschriftete Taschentücher auf.

Bilder vom 28.10.2016

 

Ein Stolperstein für Georg Pister

Nur ein Gedenken war möglich, als im März 2016 der Stolperstein für Georg Pister von dem Initiator der Aktion Stolpersteine Gunter Demnig und dem Verein Ludwigshafen-setzt-Stolpersteine verlegt werden sollte, denn Straßenbauarbeiten am vorgesehenen Ort erlaubten eine echte Verlegung nicht.

Georg Pister, geb. 1887 in eine freireligiöse Familie, Rheinschiffer nach seiner Soldatenzeit im ersten Weltkrieg und ab 1931 in der KPD aktiv, nutzte seine Arbeit, um Schriften gegen Hitler nach Deutschland zu bringen,  für den kommunistischen Rheinschifferverband zu werben und vor den Aufmärschen der deutschen Armee an der französischen Grenze zu warnen. 1938 verhaftet wurde ihm der Prozess vor dem Volksgerichtshof in Berlin gemacht und er zu vier Jahren Zuchthaus und anschließender lebenslänglicher Zwangsarbeit im KZ verurteilt. Ab 1943 im KZ Mauthausen verlor die Familie 1944 den Kontakt und glaubte ihn tot. Doch er überlebte in der KZ-Außenstelle Ebensee bis zu deren Befreiung durch die US-Streitkräfte am 6. Mai 1945, starb aber wenige Wochen darauf am 27. Mai 1945 im Lazarett Alt-Aussee.

Nun wurde der Stein für ihn am Montag, 14. 11., um 17 Uhr an der vorgesehenen Stelle am Ludwigsplatz 6 verlegt, begleitet von Schülern des Heinrich-Böll-Gymnasiums.

"Gedenken trifft Schule"

Vom 03. bis 16. November 2016 wurde im Mundenheimer Heinrich-Böll-Gymnasium an Opfer der Nazi-Herrschaft aus dem unmittelbaren Umfeld der Schule erinnert. Am Eröffnungsabend  stellten Schüler des Geschichts-Leistungskurses der 11. Klasse die Lebensgeschichten von Kaplan Heinz Robert Römer, Paul Liebel, Ursula Michel und der Familie Wetzlar vor. Die Theater-AG des Gymnasiums führte ein Stück gegen Hass und Rassismus auf.

-> Bericht über die Eröffnungsveranstaltung in der "Rheinpfalz"

 

Wiedergutmachung? Die Akte der Familie Michel

Abschlussveranstaltung zur Ausstellung im Heinrich-Böll-Gymnasium am 16.11.2016
Film und Gespräch mit Judith Rhodes (Leeds) und Dr. Walter Rummel, Leiter Landesarchiv Speyer

Neue Stolpersteine vor fünf Häusern in Ludwigshafen


21 Stolpersteine wurden am Mittwoch, 16. März 2016, vor fünf Häusern in Ludwigshafen verlegt.

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