Building Memories. Building Future. Erinnerung schaffen. Zukunft gestalten.

„Gedenkarbeit klingt anstrengend!“, so eröffnet Monika Kleinschnitger die Fachtagung Gedenkpädagogik. Aber das ist kein Hindernis für die interessierten und engagierten Bürgerinnen und Bürger, die am 27. September 2018 ins Ludwigshafener Ernst-Bloch-Zentrum gekommen sind. Ja, Gedenkarbeit ist anstrengend, aber im Austausch und in der gegenseitigen Unterstützung und Auseinandersetzung finden wir alle Motivation, Anregung und Ideen, die nicht zuletzt der kommenden Generation zu Gute kommen.

Wir streiten auf hohem Niveau

Prominente und kompetente Gäste liefern sich auf dem Podium einen Schlagabtausch und stellen sich den Fragen des Publikums.

In der ersten Runde treten gegeneinander an: Dr. Stefanie Hubig, rheinland-pfälzische Ministerin für Bildung, und Dr. Jörg Skriebeleit, Leiter der Gedenkstätte Flossenbürg. Schiedsrichter ist Bernhard Kukatzki, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung, der unsere beiden KandidatInnen zu der Frage „Gedenkstättenbesuch als Pflichtprogramm für SchülerInnen in Rheinland-Pfalz?“ diskutieren lässt. Zusammenfassend lässt sich sagen: Gedenkstättenbesuche sind wichtig und sinnvoll, sollten aber nicht auf Biegen und Brechen als Pflichtprogramm gesehen werden. Eine gute, ordentlich finanzierte, von Fachkräften durchgeführte gedenkpädagogische Arbeit in den Schulen und an den außerschulischen Lernorten ist zielführend.

-> Dazu der Leitartikel des "Evangelischen Kirchenboten" vom 05.10.2018

Runde Nummer zwei gestaltet sich kontroverser. Dieter Burgard, Antisemitismusbeauftragter in Rheinland-Pfalz, trifft auf Dr. Mirjam Wenzel, Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt. Moderiert wird von Hans-Uwe Daumann zum Thema „War der Antisemitismus nie weg? Zeichen setzen gegen Antisemitismus heute!“.  Während die erste Frage einstimmig beantwortet wird – Antisemitismus findet sich im jeden Jahrzehnt in unterschiedlichen Ausprägungen –, gehen die Vorstellungen über die Gegenmittel auseinander. Während Herr Burgard ein großes Potenzial der Aufklärungsarbeit in persönlichen Begegnungen mit Menschen jüdischen Glaubens sieht, ist Frau Dr. Wenzel der Auffassung, dass vor allem ganzheitliche Bildungsangebote nachhaltig Antisemitismus bekämpfen können. Bildungsangebote, die nicht nur zeigen: ‚Juden sind Menschen wie du und ich‘, sondern sich auch mit dem Ursprung von Stereotypen und der gesamten deutsch-jüdischen Geschichte befassen.

Wir begegnen einer Zeitzeugin

Nach den Diskussionsrunden und den Workshops am Nachmittag ist die Lesung und Gesprächsrunde mit Anita Lasker-Wallfisch, der Cellistin von Auschwitz, ein besonderer Publikumsmagnet. Interessierte aller Generationen lauschen in den Abendstunden ihrer Lebensgeschichte, die in ihrem Buch „Ihr sollt die Wahrheit erben. Die Cellistin von Auschwitz“ niedergeschrieben ist. Die Art und Weise, wie Anita Lasker-Wallfisch zu uns spricht, ist beeindruckend. In einer klaren und nicht beschönigenden Sprache erzählt sie von den Unmenschlichkeiten, die ihr vom Naziregime angetan wurden. Dennoch erreicht nicht nur das Grauen das Publikum. Frau Lasker-Wallfisch gelingt es mit humorvollen Anekdoten und überraschenden Wendungen, die von ihrer unverfrorenen lebendigen Sprache unterstützt werden, von ihrem Willen und ihrer Kraft zu erzählen.

Umrahmt wird die Lesung durch das Cellospiel von Eric Trümpler und die Fragen des Publikums:

„Wann haben Sie aufgehört die Deutschen zu hassen?“

„Als ich gemerkt habe, dass ich durch die Vermittlung meiner Erinnerung eher dazu beitrage, dass so etwas nie wieder passiert, als durch meinen Hass.“

-> Programm der Fachtagung

Rudolf Fetsch kommt zurück in die Staatsphilharmonie

Ab Samstag, 14. Oktober 2018, wird die Ausstellung "Stolpersteine - was geht mich dieses Schicksal an?" im Foyer der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz (Ludwigshafen, Heinigstraße 40) gezeigt.

Rudolf Fetsch war in den 1920er Jahren Kapellmeister am Pfalzorchester in Ludwigshafen, aus dem später die Staatsphilharmonie hervorging. Von den Nationalsozialisten wurde er entlassen und musste nach Japan emigrieren. In der Ausstellung wird neben vielen anderen auch das Schicksal seiner Familie dargestellt.

Erinnerungen aufpolieren!

Im Zeitraum vom 28.10. bis 11.11.2018 haben Gruppen Schüler*innen, Verbände und Einzelpersonen Stolpersteine an verschiedenen Orten in Luwigshafen geputzt.

12. Stolpersteinverlegung in Ludwigshafen mit Gunter Demnig

Am Montag, 14.05.2018, wurden in Ludwigshafen 16 weitere Stolpersteine verlegt:

Fußgönheimer Straße 43 (Ruchheim)
-> Martha Leva, -> Ludwig Otto Leva

In den Aspen 24 (Nord/Hemshof)
-> Dina Berner, Dr. Otto Meyer

Kaiser-Wilhelm-Straße 76 (West)
-> Christian Könninger

Benckiserstraße 75 (Mitte)
-> Friedrich Kirn

Ludwigstraße 38 (Mitte)
-> Rosa Metzger, Helmut Metzger

Mundenheimer Straße 245 (Süd)
-> Max Diamant, Anni Diamant, Arnold Diamant

Lisztstraße 176 (Süd)
-> Rudolf Fetsch, Hedwig Fetsch, Wolfgang Fetsch
-> Dr. Siegfried Rothenberg, Anna Rothenberg

(Klick auf den Pfeil zeigt die Anwohnerinformation an)

Verdienstmedaille für Monika Kleinschnitger

Die Sprecherin von Ludwigshafen setzt Stolpersteine e.V., Monika Kleinschnitger, wurde für ihr langjähriges soziales, kulturelles und politisches Engagement mit der Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz geehrt.

Anne Spiegel, Ministerin für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz, überreichte ihr die Medaille am 13. September 2018 in Mainz.

Frau Kleinschnitger ist stellvertretende Schulleiterin am Pfalzkolleg in Speyer und leitet das dortige Abendgymnasium. Sie ist Sprecherin unseres Stolpersteinevereins und engagiert sich seit mehreren Jahrzehnten ehrenamtlich in vielen Gremien und Vereinen in der Stadt Ludwigshafen am Rhein.

Frühjahrsprogramm 2018: Wanderung zum Asselstein

Fast ein Himmelfahrtskommando: Am 6. Mai 1934 traf sich eine Gruppe von Sozialdemokraten und Sozialisten als Wanderer getarnt am Asselstein beim südpfälzischen Annweiler. Sie wollten die illegale Arbeit im Deutschen Reich vernetzen und den Widerstand koordinieren. 

Wenige Monate später wurden die meisten infolge einer größeren Flugblattaktion verhaftet und wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu teils mehrjährigen Zuchthausstrafen verurteilt. Die Strukturen der Untergrundorganisationen wurden nach und nach aufgedeckt und vernichtet.

Am 14. Mai 2018 wird in Ludwigshafen erstmals für ein Mitglied dieser Gruppe ein Stolperstein verlegt. Fritz (Friedrich) Kirn, Installateur aus Ludwigshafen, Vorsitzender der Sozialistischen Arbeiterjugend, Mitglied der Freireligiösen Gemeinde Ludwigshafen und 1933 einer der letzten SPD-Stadträte, wurde wegen „Vorbereitung zum Hochverrat” zu einem Jahr und 8 Monaten Gefängnis verurteilt. Von September 1934 bis August 1937 war er inhaftiert, davon fast eineinhalb Jahre im KZ Dachau.

-> Flyer zum Frühjahrsprogramm