Richard Neubauer, Ludwigshafen

Richard Neubauer

HIER WOHNTE
RICHARD NEUBAUER
JG. 1900
FLUCHT 1937
USA

StolpersteinstraßeSchießhausstraße 32
StolpersteinortLudwigshafen
Jahr der Verlegung2014
StolpersteininitiativeLudwigshafen

Persönliche Daten

NachnameNeubauer
VornameRichard
Geburtstag1900
GeburtsortTachau, Böhmen
Familienstandverheiratet
BerufDruckereibesitzer
SchicksalFlucht
Sterbedatum1968
SterbeortUSA

Biographie

Richard Neubauer wurde am 27. 5. 1900 in Tachau, Böhmen geboren. Er kam 1918 nach Deutschland und arbeitete in Ludwigshafen in der "Buchdruckerei Neubauer" seines Onkels Ludwig Neubauer. Ludwig Neubauer hatte 1909 die Druckerei vom sozialdemokratischen Land- und Reichstagsabgeordneten Josef Huber erworben. Als Onkel Ludwig starb, wurden Richard und sein Bruder Friedrich Eigentümer der "Buchdruckerei Neubauer", die ihren Betrieb in der Schulstraße 14/ Ecke Maxstraße 80 hatte.

Vor dem ersten Weltkrieg war die "Buchdruckerei Neubauer" ein Betrieb mit 20 Beschäftigten. In den 20er Jahren wuchs er zu einem respektablen Unternehmen mit 80 Mitarbeitern, in dessen Verlag auch eine Reihe von Wirtschaftszeitschriften und Zeitungen zum Kulturbetrieb - darunter der "Stadt-Anzeiger" und seit 1925 die "Ludwigshafener Konzert- und Theaterzeitung" - erschienen.

Richard Neubauer wurde im nationalsozialistischen Deutschland  nachdrücklich entrechtet. Aufgrund des "Gesetzes über den Widerruf von Einbürgerungen" wurde ihm am 14. Juli 1933 die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Auf ihn wurde weiterhin Druck ausgeübt. In einem geheimen Senatsprotokoll der Stadt vom 8. Mai 1934 wurde mit Hilfe eines Polizeiberichtes vom 29.1.1934 festgehalten, "dass gegen die politische Zuverlässigkeit des Neubauer im Sinne der heutigen Staatsführung Bedenken bestehen".

Offensichtlich wurde damit der Übergang des von der Druckerei Neubauer bis 1933 gedruckten "Stadt-Anzeigers" in die Hand der nunmehr nationalsozialistischen Gemeindeverwaltung gerechtfertigt. Jetzt wurde daraus eine Publikation der gleichgeschalteten Presse.  

Der einzig verbliebene Auftrag für die Druckerei, die bis 1937 bestand, war der Druck der Jüdischen Zeitung für die Region. Noch am 17. April 1937 gab es ein letztes Betriebsfoto. Die "Buchdruckerei Neubauer" wurde vom Waldkirch-Verlag erworben, einem damals von den Nazis arg bedrängten nicht-jüdischem Unternehmen, das später enteignet wurde.  

Richard Neubauer heiratete am 22. Oktober 1940 Gertrud (geb. 12. Mai 1914 in Frankfurt/Main), die bereits am 14. November 1936 in die USA einwanderte. Sie hatten eine Tochter namens Ruth, die am 21. Oktober 1941 in den USA geboren wurde. Richard Neubauer starb 1968.

Rainer Zahn / AK Ludwigshafen setzt Stolpersteine