Wilhelm Leo Josef Caroli, Ludwigshafen-Rheingönheim

Wilhelm Leo Josef Caroli
Quelle: Necrologium Spirense

HIER WIRKTE
WILHELM CAROLI
JG. 1895
VERHAFTET 18.2.1942
DACHAU
VERHUNGERT
ERMORDET 23.8.1942

StolpersteinstraßeCarolistr. 23
StolpersteinortLudwigshafen-Rheingönheim
Jahr der Verlegung2008
StolpersteininitiativeLudwigshafen

Persönliche Daten

NachnameCaroli
VornameWilhelm Leo Josef
Geburtstag7. April 1895
GeburtsortSaarlouis
Familienstandledig
BerufPfarrer
SchicksalGefängnishaft, Gestapohaft, KZ Dachau
Sterbedatum23. August 1942
SterbeortKZ Dachau

Biographie

Um Ostern 1914 war Wilhelm Caroli im Alter von 19 Jahren ins Priesterseminar in Trier eingetreten. Unterbrochen wurde seine theologische Ausbildung durch den Dienst als Sanitätsunteroffizier während des ersten Weltkrieges. Sein Theologiestudium setzte er schließlich im Speyerer Priesterseminar fort, wo er am 12. März 1921 zum Priester geweiht wurde.
Zunächst war der junge Geistliche als Kaplan in Ludwigshafen, Grünstadt und Kusel tätig, bevor er 1926 zur Pfarrei St. Joseph in Rheingönheim kam, zunächst als Pfarrverweser, dann ab 1. Dezember als Pfarrer. Von 1928 bis 1933 fungierte der streitbare Theologe als Schriftleiter des Ludwigshafener Katholischen Kirchenblattes.
Caroli machte keinen Hehl aus seiner Ablehnung der Nationalsozialisten, brandmarkte ihren Antisemitismus, und so wurde er bereits 1933, am 26. Juni,  Opfer eines Überfalls durch drei Schläger aus den Kreisen der NSDAP, nach dem er schwer verletzt ins Marienkrankenhaus eingeliefert wurde. Die Täter wurden zwar verhaftet, aber nach zwei Tagen wieder sang- und klanglos freigelassen. Der Ortsgruppenleiter der NSDAP verlangte die Versetzung des mutigen Pfarrers.
Ein von Caroli verfasstes Flugblatt, in dem er mit katholischem Gruß zum Gottesdienstbesuch aufforderte, nahmen die örtlichen Nazis im Juli 1935 erneut zum Anlass einer Kampagne gegen ihn. Bei einer Versammlung der Parteigenossen wiegelten Redner die Menge auf, zum Pfarrhaus zu ziehen. Doch Wilhelm Caroli war von Freunden gewarnt worden und hielt sich nicht im Ort auf. Es kam zu einer blutigen Schlägerei zwischen den Nazis und katholischen Rheingönheimern, die sich der Menge entgegenstellten und die Glocken im Kirchturm läuteten. Die Kirche und das Pfarrhaus wurden verwüstet und am Ende – wie zu erwarten – die katholischen Verteidiger verhaftet und beleidigt.

Schließlich verhängten die Behörden ein Aufenthaltsverbot für Wilhelm Caroli, zunächst für Rheingönheim, für Ludwigshafen und schließlich auch für die Pfalz. Caroli jedoch lehnte einen Wechsel in eine andere Pfarrei ab und besuchte heimlich weiter seine „Schäfchen“. Daraufhin wurde er von seinem Bischof in den Ruhestand versetzt. Wegen Verstoßes gegen das Reichsflaggengesetz – er hatte keine Hakenkreuzfahnen gehisst – wurde er am 16. Juni 1937 vom Sondergericht in Frankenthal zu acht Monaten Gefängnis verurteilt, die er im Landesgefängnis Zweibrücken absitzen musste.
Nach der Entlassung aus der Haft zog Caroli nach Kürrenberg zu einem seiner Brüder. Doch auch dort blieb er unter Beobachtung, ließ aber nicht ab in seinen Mahnungen gegen das Regime. Am 14. Oktober 1941 wurde der Priester nach einer Predigt gegen die Euthanasie  wegen „Kanzleimissbrauchs“ verhaftet und nach der Gestapohaft in Koblenz am 18. Februar 1942 schließlich ins Konzentrationslager Dachau verbracht. Der Häftling mit der Nummer 29258 überlebte die KZ-Haft nicht. In der Nacht vom 22. auf den 23. August 1942 starb der 47-Jährige, völlig ausgezehrt durch Hunger und Krankheit.
Wilhelm Carolis Asche, lange Jahre bei einem seiner Brüder in Andernach-Kell aufbewahrt,  wurde am 24. November 1996 in einer Vorkapelle „seiner“ Kirche in Rheingönheim beigesetzt. Auch in Trier, wo Caroli seine Priesterlaufbahn begann, ist ein Stolperstein für den mutigen Theologen verlegt worden.

Quelle: Ökumenischer Gemeindebrief der katholischen und protestantischen Kirchengemeinde in Rheingönheim, Winter 2002/2003.