Eugen Herbst, Ludwigshafen

Eugen Herbst

HIER WOHNTE
EUGEN HERBST
JG. 1903
VERHAFTET 1934
ERMORDET 1934 IN DACHAU

Stolpersteinstraße
StolpersteinortLudwigshafen
Jahr der Verlegung2008
StolpersteininitiativeLudwigshafen

Persönliche Daten

NachnameHerbst
VornameEugen
Geburtstag4. Juli 1903
GeburtsortLudwigshafen
Familienstandverheiratet mit Lina Herbst, geb. Michel, ein Sohn Rudolf
BerufKaufmännischer Angestellter, Funktionär der KPD, Reichstagsabgeordneter
Schicksalunbekannt, verschollen seit 30. Juni 1934
SterbedatumUnbekannt
Sterbeortvermutlich KZ Dachau

Biographie

Eugen Herbst war schon in jungen Jahren für die kommunistische Bewegung in Ludwigshafen und der Pfalz aktiv geworden. Der gelernte kaufmännische Angestellte, geboren am 4. Juli 1903 in Ludwigshafen, schloss sich als 16-Jähriger der FSJ und der KPD an, war im kommunistischen Jugendverband (KJVD) und hauptamtlicher Jugendleiter im Bezirk Pfalz. 1922 wurde er jedoch kurzzeitig wegen „Disziplinbruchs“ aus der Partei ausgeschlossen. Vom 15. Dezember 1923 bis zum 24. April 1924 war Eugen Herbst von der französischen Besatzungsmacht inhaftiert wegen des Verteilens antimilitaristischer Flugblätter, die die französischen Soldaten zum Ungehorsam aufriefen. In dieser Haft zog er sich bleibende gesundheitliche Schäden, ein Lungenleiden, zu.

1925 war Herbst Mitglied des Zentralkomitees des KJVD. Als Angestellter des Konsumvereins Ludwigshafen wurde der junge Funktionär entlassen, nachdem er interne Vorgänge des Unternehmens in der kommunistischen Presse verbreitet hatte. Danach arbeitete er als Leiter der Buchhaltung der deutsch-sowjetischen Naphtha-Gesellschaft und wurde schließlich 1928 hauptamtliches Mitglied der Bezirksleitung Pfalz der KPD, ab Dezember 1929 ein Jahr lang Polleiter. Beim Zusammenschluss des badischen und pfälzischen Verbands zu einem neuen Parteibezirk wurde Eugen Herbst danach als Sekretär für Agitation und Propaganda in den Bezirksvorstand gewählt (bis Dezember 1932).   

Von 10. April bis 18. Dezember 1931 war Eugen Herbst erneut in Haft, weil er Arbeitskräfte aus der Chemieindustrie für die Sowjetunion abgeworben hatte, was ihm als Werksspionage ausgelegt wurde.

Bei der Reichstagswahl vom 31. Juli 1932 wurde Herbst für den Wahlkreis 27 (Pfalz) als einer von 89 Abgeordneten der KPD in den Reichstag gewählt. Schon bei der wenige Monate später (6. November 1932) erfolgten erneuten vorgezogenen Reichstagswahl wurde Eugen Herbst nicht mehr von seiner Partei nominiert, was Zeitzeugen darauf zurück führten, dass der kritische junge Abgeordnete sich nach einer Studienreise nicht begeistert genug über die Sowjetunion geäußert hatte.

Am 30. Juli 1933 wurde der bekannte kommunistische Funktionär in „Schutzhaft“ genommen und bis zum Dezember im KZ Kislau bei Mingoldsheim festgesetzt. Nach seiner Entlassung – wegen seines schlechten gesundheitlichen Zustandes, der auch eine Kur in der Schweiz nach sich zog -  schloss er sich dem kommunistischen Widerstand an.

Am 20. Juni 1934 floh Eugen Herbst vor einer erneut drohenden Verhaftung in die Schweiz. Gegen ihn lief ein Ermittlungsverfahren wegen Vorbereitung zum Hochverrat. Von dort reiste er Ende Juni als Instrukteur der Exil-KPD nach München, wo er sich mit Widerständlern treffen wollte. In München fiel Herbst in den Wirren des sogenannten Röhm-Putsches (30. Juni 1934) der Bayerischen Politischen Polizei in die Hände. Andere Quellen vermuten, dass ein Brief des Verfolgten an seine Frau Lina abgefangen wurde, die ebenfalls für ihre kommunistische Überzeugung verfolgt und überwacht wurde, und sein Aufenthalt in München auf diese Weise bekannt wurde.

Seit dem 30. Juni 1934 gilt Eugen Herbst als verschollen. Vermutlich wurde er im KZ Dachau gleich nach seiner Festsetzung ermordet. Im Mai 1939 wurde er von den deutschen Behörden offiziell noch ausgebürgert. Sein Schicksal ist bis heute ungeklärt. Am 9. November 1951 wurde Eugen Herbst auf Antrag seiner Witwe für tot erklärt.

Seine Witwe musste in der Nachkriegszeit mit Unterstützung des späteren Ludwigshafener Ehrenbürgers und Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts Friedrich Wilhelm Wagner über mehrere Instanzen klagen, bevor das Oberlandesgericht Neustadt es am 18. November 1955 als erwiesen erklärte, dass ihr Mann im Sommer 1934 wegen seiner politischen Überzeugung durch die Nationalsozialisten ums Leben gekommen war.

Recherchiert von Hermann Morweiser und Klaus-Jürgen Becker, März 2008