Hedwig Fetsch, geb. Rosenstiel, Ludwigshafen

Hedwig Fetsch, geb. Rosenstiel

HIER WOHNTE
HEDWIG FETSCH
GEB. ROSENSTIEL
JG. 1893
FLUCHT 1938
JAPAN
MIT HILFE ÜBERLEBT

StolpersteinstraßeLiszststraße 176
StolpersteinortLudwigshafen
Jahr der Verlegung2018
StolpersteininitiativeLudwigshafen

Persönliche Daten

NachnameFetsch, geb. Rosenstiel
VornameHedwig
Geburtstag8. November 1893
GeburtsortWalsheim (bei Zweibrücken)
Familienstandverheiratet mit Rudolf Fetsch
Berufberufslos
SchicksalFlucht nach Japan 1938
Sterbedatumunbekannt
SterbeortUSA

Biographie

Hedwig Rosenstiel wurde am 8. November 1893 in Walsheim (bei Zweibrücken) als Tochter von Maximilian und Mathilde Rosenstiel geboren. Am 30. Juni 1923 heiratete sie den Kapellmeister beim Pfalzorchester Rudolf Fetsch. Er wohnte zu diesem Zeitpunkt in der Bleichstraße 19 und sie in der Mundenheimer Straße 251. Ihr gemeinsamer Sohn Ulrich Wolfgang Fetsch kam am 8. Dezember 1923 zur Welt.

Wolfgang wurde katholisch erzogen, und es wurde alles versucht, um nicht als vermeintlich jüdische Familie in Gefahr zu geraten. Er erlebte seine Kindheit durch den Terror der Nationalsozialisten jäh unterbrochen: keine Freunde, kein Sport – Hedwig vermutete überall Bedrohungen. In der Ideologie der Nationalsozialisten galt Rudolf Fetsch als Halbjude, Hedwig Rosenstiel war Jüdin und Wolfgang Fetsch Sohn einer Jüdin  – somit war die ganze Familie nach 1933 gefährdet.

Rudolf Fetsch erreichte 1937 Japan, Hedwig und Wolfgang konnten noch 1938 fliehen. Vom Novemberpogrom 1938 las Rudolf in der Zeitung und bat seinen Bruder Walter inständig nach Japan zu kommen, der allerdings erst im April 1939 ausreisen konnte. Rudolf und Hedwig nahmen Walter bei sich auf.

Zunächst war Rudolf wieder als Musiker und Komponist tätig, aber alles änderte sich mit dem Kriegseintritt Japans im Jahr 1941. Die Familie hatte kein Einkommen mehr und ging entbehrungsreichen Zeiten entgegen: Ein Leben am Existenzminimum, Arbeitslosigkeit, schlechte Bezahlung und vor allem der Krieg. Bei Bombenangriffen mussten alle in die Berge fliehen oder sich ein Erdloch als "Bunker" graben und darin Schutz suchen. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit verschimmelte alles, bis hin zu den Schuhen.

Nach Kriegsende mussten die Deutschen Japan verlassen. Die letzte Wohnadresse der Familie in Japan war Kobe-shi, Nada-ku, Takaha, Sumida 48 von dort erreichte sie am 18. Juli 1949 mit der SS Flying Sand die USA. Die Staatenlosen Rudolf, Hedwig und Wolfgang Fetsch stellten am 10. Februar 1950 in Denver, Colorado einen Einbürgerungsantrag. Rudolf starb am 30.11.1974 und Hedwig am 25.1.1980 in Stockton, Kalifornien.

Monika Kleinschnitger