Otto Leva, Ludwigshafen-Ruchheim

Otto Leva
Otto Leva war um 1930 stolzer Besitzer des ersten Autos in Ruchheim

HIER WOHNTE
LUDWIG OTTO LEVA
JG. 1895
FLUCHT 1936
USA

StolpersteinstraßeFußgönheimer Straße 43
StolpersteinortLudwigshafen-Ruchheim
Jahr der Verlegung2018
StolpersteininitiativeLudwigshafen

Persönliche Daten

NachnameLeva
VornameOtto
Geburtstag1895
GeburtsortRuchheim
Familienstandverheiratet
BerufViehhändler
SchicksalFlucht 1936 in die USA
Sterbedatumunbekannt
Sterbeortunbekannt

Biographie

Otto Leva wurde 1895 in Ruchheim geboren. Sein Vater Joseph Leva war ein geachteter Viehhändler. Seine Mutter Flora, geborene Waldbott, war die Tochter eines jüdischen Lehrers. Sie führte den Haushalt und achtete streng auf die Einhaltung der jüdischen Tradition, ihrer Vorschriften und Rituale. Als Seele des Hauses kümmerte sie sich um die Erziehung und Bildung ihrer sieben Kinder.

Otto besuchte zuerst die katholische Schule in Ruchheim. Früh lernte er die Arbeiten des Vaters kennen und wurde nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg 1919 ebenfalls Viehhändler.

Ab 1933 wurden Juden Schritt für Schritt verfolgt, erniedrigt, in ihren Rechten eingeschränkt. Sie wurden angegriffen, ihre Geschäfte und Wohnungen geplündert und verwüstet. Es gab Berufs- und Handelsverbote. Als auch Otto Leva der Viehhandel verboten wurde, war ihm die Existenzgrundlage genommen. Er sah keine Zukunft mehr in Deutschland. 1936 flüchtete er in die Vereinigten Staaten von Amerika. Dort fand er Aufnahme bei seiner ältesten Schwester Emma in Cincinnati, wo schon seine Brüder Ernst und Max lebten.

Mittellos und ohne ausreichende Sprachkenntnisse musste er sich anfangs als Gelegenheits- und Hafenarbeiter durchschlagen. Mit 43 Jahren heiratete er – immer noch arm – eine jüdische Emigrantin aus Bruchsal. Seiner Tüchtigkeit als Viehhändler verdankten die Eheleute, dass sie zuerst eine kleine, dann eine größere Farm erwerben konnten.

Mit wachsender Sorge um das Leben der in Ruchheim zurückgebliebenen Eltern verfolgten Otto und seine Geschwister die Bedrohungen und Ausschreitungen gegenüber den Juden in Deutschland. Im Frühjahr 1938 waren endlich auch die Eltern bereit, Deutschland zu verlassen, und konnten so der Vernichtung entgehen. Otto und seine Frau nahmen sie in ihrer Farm auf, wo nach ihren Möglichkeiten mithalfen.

In den siebziger Jahren zog Otto nach Kalifornien und besuchte auch zweimal Ruchheim. 1979, während eines Aufenthalts in Kalifornien begegneten sich Willi Eichenlaub aus Ruchheim und der 84jährige Otto Leva. Er war tief mit seiner Heimat verbunden geblieben und sprach positiv und ohne Ressentiments von den Menschen in Ruchheim. Bei schmerzhaften Erinnerungen nannte er keine Namen.