Walter Fetsch, Dr., Ludwigshafen

Walter Fetsch, Dr.

HIER WOHNTE
DR. WALTER FETSCH
JG. 1908
BERUFSVERBOT 1934
FLUCHT 1939
JAPAN
MIT HILFE ÜBERLEBT

StolpersteinstraßeBleichstraße 19
StolpersteinortLudwigshafen
Jahr der Verlegung2019
StolpersteininitiativeLudwigshafen

Persönliche Daten

NachnameFetsch, Dr.
VornameWalter
Geburtstag14. Mai 1908
GeburtsortLudwigshafen
FamilienstandVerheiratet
BerufZahnarzt
SchicksalFlucht Japan
Sterbedatum2001
SterbeortLudwigshafen

Biographie

Walter Fetsch wurde 1908 in Ludwigshafen geboren. Sein Vater Ludwig war katholisch. Seine Mutter Hedwig, deren Familie israelitischer Konfession war, trat 1899 bei ihrer Heirat zum katholischen Glauben über. Walter und sein älterer Bruder wurden katholisch getauft. 1924 starb Walters Mutter.

1932 beendete Walter sein Studium der Zahnmedizin. Als Volontärassistent bei dem Ludwigshafener Zahnarzt Dr. Spieß lernte er 1933 seine spätere Verlobte Erna kennen. 1934 eröffnete Walter in der Bleichstraße 19 in der Wohnung seines Vaters seine eigene Praxis als selbständiger Zahnarzt ohne Kassenzulassung. Wegen seiner "halbjüdischen Abstammung" wurde ihm im gleichen Jahr die Zulassung zur gesetzlichen Krankenkasse verweigert. Privatpatienten erhielten von ihren privaten Krankenkassen keine Erstattung der Kosten und wurden massiv unter Druck gesetzt, der Praxis fernzubleiben. Die Vertretung "arischer" Zahnärzte wurde ihm verboten, weil er "nichtarisch" war, die jüdischer, weil er nicht jüdisch war.

Dies kam einem Berufsverbot gleich. Ohne Zukunftsperspektive war Walter ganz auf seinen Vater angewiesen. Um nicht untätig zu sein, entschloss er sich, eine Ausbildung als Zahntechniker zu machen. Dank der Zivilcourage des Herrn Hörr konnte er in dessen Dentallabor eine  unbezahlte Ausbildung beginnen und abschließen. Nicht nur beruflich, auch privat wurde Walters Lebensplanung zerstört. Er wollte seine Verlobte Erna heiraten. Die Erlaubnis zur Eheschließung wurde ihnen verweigert. Das rassenpolitische Amt zwang seine Braut mit der Drohung der Entlassung aus ihrem Beruf und Einweisung ins KZ, eine Erklärung zu unterschreiben, Walter nicht mehr zu sehen. Die Gefährlichkeit der heimlichen Treffen veranlassten Walter, sich über Auswanderung Gedanken zu machen. Er versuchte vergeblich, eine Einreise-genehmigung für Brasilien oder die USA zu erhalten.

Sein Bruder Rudolf war ab 1937 bereits in Japan, da ihm ein befreundeter Musiker dort eine Dirigentenstelle vermittelt hatte. Frau und Sohn folgten ihm 1938. Als Rudolf in Japan vom Novemberpogrom 1938 hörte, legte er seinem Bruder dringend ans Herz, Deutschland zu verlassen und zu ihm zu kommen. Erst Mitte April 1939 konnte Walter in Mannheim den Zug nach Genua besteigen, um von dort per Schiff nach Japan zu emigrieren. Sein Bruder und dessen Familie nahmen ihn bei sich auf. Glücklicherweise gab es in Japan keine Verfolgung als "Nichtarier", weil die "deutsche Rassenfrage" für die Japaner keine Bedeutung hatte. Die meiste Zeit lebte Walter in Kobe. Dort konnte er bei einem Zahnarzt Arbeit finden als Zahntechniker und Assistent, später als Mitarbeiter.

Bis zum Kriegseintritt Japans mit den USA 1941 war das Leben einigermaßen erträglich. Dann war es ein Leben am Existenzminimum. Mit der Ankunft der Amerikaner nach Japans Kapitulation ging es den Fetschs besser, sie wurden von ihnen mit Essen, Kleidung und Wäsche versorgt und musizierten gemeinsam. Die große Ungewissheit, ob alle Angehörigen die Kriegsjahre in Japan und Deutschland überlebt hatten war vorbei, da wieder Briefe durchkamen. In der Dental Clinic 11th Medical Dispensary der Amerikaner in Kobe arbeitete Walter von Mai 1946 bis Anfang August 1947 zunächst als Zahntechniker, dann als Leiter des Labors.

Am 20.8.1947 begann Walters Rückkehr als 'Transport Dental Surgeon' auf der USAT 'General W. M. Black'. Anfang Oktober erreichte das Schiff Bremerhaven, am 7. Oktober kam Walter zurück in seine Heimatstadt. Acht Jahre nach der Flucht konnte er seine Verlobte heiraten. Sein Vater hat die Rückkehr seines Sohnes nicht mehr erlebt. 1948 eröffnete Walter seine Zahnarztpraxis in Mundenheim. Er verstarb 2001.

Hedwig Reuther