Frieda Groll, geb. Silberberg, Ludwigshafen

HIER WOHNTE
FRIEDA GROLL
GEB. SILBERBERG
JG. 1892
DEPORTIERT 1945
THERESIENSTADT
BEFREIT

StolpersteinstraßeHohenzollernstraße 8
StolpersteinortLudwigshafen
Jahr der Verlegung2019
StolpersteininitiativeLudwigshafen

Persönliche Daten

NachnameGroll, geb. Silberberg
VornameFrieda
Geburtstag30. Mai 1892
GeburtsortHannover
FamilienstandVerheiratet mit Konrad Groll
BerufHaushaltshilfe
SchicksalDeportiert nach Theresienstadt, befreit
Sterbedatum1. September 1956
SterbeortLudwigshafen

Biographie

Frieda Groll wird am 30. Mai 1892 als Tochter von August Silberberg und Minna Silberberg, geb. Mayer, in Hannover geboren. Sie ist Jüdin. Was sie veranlasst, nach Mannheim zu ziehen, geht aus den vorhandenen Unterlagen nicht hervor. Vom 3. Januar bis zum 2. September 1922 arbeitet und wohnt sie im Haushalt der Kaufmannsfamilie Wolf am Kaiserring 48 in Mannheim und wechselt dann als Haushaltshilfe zur Familie des Kaufmanns Alfred Kalter nach E 1,13, wo sie bis zu ihrem Umzug nach Ludwigshafen am 24. Oktober 1930 bleibt. Am 5. Oktober 1924 bringt sie ihre Tochter Ruth zur Welt, unehelich, aus der Beziehung zu einem Nichtjuden.

Sechs Jahre später, am 4. Dezember 1930, heiratet Frieda Silberberg in Hannover den zwanzig Jahre älteren katholischen Witwer Konrad Groll, Wagnermeister mit eigener Werkstatt in Ludwigshafen, und konvertiert im Oktober 1934 in der St.-Gallus-Kirche in Friesenheim zum Katholizismus. Konrad Groll äußert sich sehr positiv über seine Frau, sodass man von einer guten Beziehung der beiden ausgehen kann. Die Tochter Ruth Silberberg wächst inzwischen bei der Familie des Rabbiners Heinrich Loew in Viernheim auf und wird jüdisch erzogen.

Das Pogrom am 9. November 1938 trifft die Jüdische Gemeinde Viernheim schwer. Auch Ruth verliert ihre gesamte Habe. Die Familie Loew verlässt Anfang 1939 das Land, und die inzwischen 14jährige Ruth zieht im März zu Mutter und Stiefvater in die Rohrlachstraße 115, nachdem dem Antrag für einen Kindertransport nach England, den das Jüdische Wohlfahrtsamt Mannheim gestellt hatte, nicht stattgegeben worden ist. 

Im August 1943 stirbt Konrad Groll im Alter von knapp 71 Jahren im Städtischen Krankenhaus in Ludwigshafen an den Folgen eines Unfalls. Frieda Groll und ihre Tochter verbleiben zunächst in der Wohnung in der Rohrlachstraße 115 und ziehen im Dezember 1944 um in die Hohenzollernstraße 8. Anfang März sind sie in der Kanalstraße 17 gemeldet. Ab 1944 sind auch bis dahin „privilegierte“ jüdische Ehepartner aus nichtjüdisch-jüdischen Ehen nicht mehr vor Deportationen sicher.

Am 9. März 1945, genau zwei Wochen vor der Befreiung Ludwigshafens durch die Amerikaner, werden Frieda Groll und Ruth Silberberg mit dem Transport III/11 unter den Nummern 22 und 23 mit fünf anderen Ludwigshafener Bürger/-innen und 38 weiteren jüdischen Pfälzer/-innen nach Theresienstadt „verschoben“, wie es die Amtssprache ausdrückt. Frieda Groll kehrt Mitte Juni nach Ludwigshafen in die Hohenzollernstraße 8 zurück. Frieda Groll verdient ihren Lebensunterhalt wieder als Haushaltshilfe und durch die Vermietung der Werkstatt ihres verstorbenen Mannes und wohnt bis zu ihrem Tod am 1. September 1956 in der Hohenzollernstraße 8 in Ludwigshafen.

Anneliese Sahin