Ruth Silberberg, Ludwigshafen

HIER WOHNTE
RUTH
SILBERBERG
JG. 1924
DEPORTIERT 1945
THERESIENSTADT
BEFREIT

StolpersteinstraßeHohenzollernstraße 8
StolpersteinortLudwigshafen
Jahr der Verlegung2019
StolpersteininitiativeLudwigshafen

Persönliche Daten

NachnameSilberberg
VornameRuth
Geburtstag5. Oktober 1924
GeburtsortMannheim
Familienstand
Beruf
SchicksalDeportiert nach Theresienstadt, befreit
Sterbedatum
Sterbeort

Biographie

Ruth Silberberg wird am 5. Oktober 1924 als uneheliche Tochter von Frieda Silberberg in Mannheim geboren. Die Mutter heiratet sechs Jahre später, am 4. Dezember 1930, den zwanzig Jahre älteren katholischen Witwer Konrad Groll, Wagnermeister mit eigener Werkstatt in Ludwigshafen, und konvertiert im Oktober 1934 in der St.-Gallus-Kirche in Friesenheim zum Katholizismus.

Ruth wächst inzwischen bei der Familie des Rabbiners Heinrich Loew in Viernheim auf und wird jüdisch erzogen. Das Pogrom am 9. November 1938 trifft die Jüdische Gemeinde Viernheim schwer. Auch Ruth verliert ihre gesamte Habe. Die Familie Loew verlässt Anfang 1939 das Land, und die inzwischen 14-jährige Ruth zieht im März zu Mutter und Stiefvater in die Rohrlachstraße 115, nachdem dem Antrag für einen Kindertransport nach England, den das Jüdische Wohlfahrtsamt Mannheim gestellt hatte, nicht stattgegeben worden ist. Konrad Groll bemüht sich bei der Gestapo-Stelle in Neustadt/W. um Schadenersatz für seine Stieftochter. Eine Gewährung geht aus den Akten nicht hervor.

Die nächsten Jahre verlaufen sehr unstet für das Mädchen. 1939/40 leistet Ruth bei einem Bauern in Neuhofen ihr Landjahr ab, ist im Juni 1940 wieder bei den Eltern in der Rohrlachstraße gemeldet, Anfang 1941 in Kirchheim/Teck und ab März wieder in Ludwigshafen, wo sie als Hausangestellte bei der Fa. Kutterer arbeitet. Im August 1943 stirbt Konrad Groll im Alter von knapp 71 Jahren im Städtischen Krankenhaus in Ludwigshafen an den Folgen eines Unfalls. Frieda Groll und ihre Tochter verbleiben zunächst in der Wohnung in der Rohrlachstraße 115 und ziehen im Dezember 1944 um in die Hohenzollernstraße 8. Anfang März sind sie in der Kanalstraße 17 gemeldet. Ab 1944 sind auch bis dahin „privilegierte“ jüdische Ehepartner aus nichtjüdisch-jüdischen Ehen nicht mehr vor Deportationen sicher.

Am 9. März 1945, genau zwei Wochen vor der Befreiung Ludwigshafens durch die Amerikaner, werden Frieda Groll und Ruth Silberberg mit dem Transport III/11 unter den Nummern 22 und 23 mit fünf anderen Ludwigshafener Bürger/-innen und 38 weiteren jüdischen Pfälzer/-innen nach Theresienstadt „verschoben“, wie es die Amtssprache ausdrückt. Ruth ist die Jüngste unter ihnen. Frieda Groll kehrt Mitte Juni nach Ludwigshafen in die Hohenzollernstraße 8 zurück. Ruths Rückkehr verzögert sich; ein gesichertes Datum liegt nicht vor. Ab Mitte Juli erhalten Mutter und Tochter finanzielle Unterstützung. Im November verzieht Ruth nach Olsbrücken im Kreis Kaiserslautern. Im März 1946 arbeitet sie als Hilfsarbeiterin bei der Firma Pfaff in Kaiserslautern. Ende Juli meldet sie sich in Lampertsmühle bei Kaiserslautern an, wo sie als Haushaltshilfe tätig ist. Im Januar 1947 ist sie wieder in Ludwigshafen gemeldet und im März dieses Jahres in Offenheim bei Alzey. Damit verliert sich die Spur der jungen Frau, die in ihren bis dahin 23 Jahren so viele Wechselfälle des Lebens zu verkraften hatte. Außer den Ortsangaben verraten die erreichbaren Unterlagen kaum etwas darüber, aber eine Aktennotiz vom 5. April 1946, sie „benötig[e] dringend Schuhe“, lässt erahnen, wie schwer sie es hatte, ihr Schicksal zu meistern.

Anneliese Sahin