Klara Leva, Ludwigshafen-Ruchheim

HIER LEBTE
KLARA LEVA
GEB HANAU
JG. 1887
DEPORTIERT 22.10.1040
GURS / DRANCY
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

StolpersteinstraßeFußgönheimer str. 32
StolpersteinortLudwigshafen-Ruchheim
Jahr der Verlegung2010
StolpersteininitiativeLudwigshafen

Persönliche Daten

NachnameLeva
VornameKlara
Geburtstag14. Januar 1887
GeburtsortRuchheim bei Ludwigshafen
Familienstandverheiratet mit Jakob Leva
Beruf
SchicksalDeportiert nach Gurs
Sterbedatumunbekannt
SterbeortAuschwitz

Biographie

Klara Hanau wurde am 14. Januar 1887 geboren und heiratete den Ruchheimer Viehhändler Jakob Leva aus der alteingesessenen Großfamilie Leva. Die Familie von Markus Leva war eine der bekanntesten und geachtetsten Judenfamilien in Ruchheim.
Markus Leva hatte 1872 mit einigen anderen Bürgern den ersten Kindergarten in Ruchheim gegründet. Er stellte dafür sein Grundstück und Gebäude in der Kirchenstraße 2 (heute Pfalzgartenstraße 2) zur Verfügung. Daraus entstand der heutige Kindergarten ›Arche Noah‹. Der Kindergarten stand allen Konfessionen offen.
Das Ehepaar Leva wohnte in der Fußgönheimer Straße 32. Ihre Ehe blieb kinderlos.

Ab 1930 förderte die zunehmende antisemitische Propaganda der Nationalsozialisten erst in den Städten, dann auch in den Dörfern die Abneigung und den Hass gegen das Judentum. Joseph Leva wanderte mit seiner Familie nach Amerika aus. Andere Familien waren 1932 verzogen oder emigriert. So lebten 1938 nur noch drei Juden in Ruchheim: Klara  und Jakob Leva und Klaras 90jährige Mutter, Karoline Hanau.

Während die Synagoge im Nachbarort Mutterstadt schon brannte, wollten am 10. November, einen Tag nach der Reichspogromnacht, gegen 14 Uhr auswärtige und Ruchheimer SA-Leute die Ruchheimer Synagoge niederbrennen. Dazu kam es nicht. Dafür zertrümmerte man mit Äxten und Eisenstangen die Einrichtungsgegenstände im Synagogenraum. Die zahlreich sich einfindende Schuljugend trug die gottesdienstlichen und biblischen Bücher auf den Hof, wo sie unter Hohn und Spott angezündet wurden. Nachdem man das Innere des Gotteshauses gründlich demoliert und die Bänke auf den Hof geworfen hatte, blieb ein Bild der Verwüstung zurück.

Was geschah unterdessen mit den drei letzten Ruchheimer Juden? Auch der Haushalt von Jakob und Klara Leva wurde an diesem Nachmittag vom Mob verwüstet. Jakob Leva hielt sich zu diesem Zeitpunkt in Frankenthal auf. Die Verbrecher trafen daher in der Fußgönheimer Straße 32 nur zwei verängstigte alte Frauen an. Klara Leva und ihre Mutter Karoline Hanau wurden im damaligen Gemeindehaus der Gemeinde Ruchheim festgehalten, während man in der Wohnung die Möbel zerschlug und die Federbetten aufschnitt.

Auf dem Weg zum Gemeindehaus hatten die beiden Frauen weinend um Erbarmen gefleht, man möge sie in ihrer Wohnung belassen. Klara Leva soll gesagt haben: „Ihr werdet mich doch nicht aus meinem Haus jagen, ich hab doch auch Gold gegeben fürs Vaterland”, wobei sie auf eine eiserne Brosche wies, die sie als Anerkennung für eine geleistete Goldspende (›Gold gab ich für Eisen‹) im Ersten Weltkrieg erhalten hatte. Aber auch dieser Hinweis auf ihren Patriotismus nutzte nicht. Für eine Nacht wurden die drei Levas von barmherzigen Nachbarn aufgenommen. Am nächsten Morgen begannen sie die Wohnung notdürftig herzurichten. Verwandte hatten sie dringend aufgefordert, sie mögen doch aus Ruchheim emigrieren; doch sie lehnten es ab. Die Familie Leva war in Ruchheim tief verwurzelt.

Am 22. Oktober 1940 wurden Klara und Jakob Leva in einem Omnibus mit anderen Leidensgenossen nach Ludwigshafen gebracht, wo die Gestapo in der Maxschule ein Sammellager eingerichtet hatte. Von dort wurden sie mit den anderen Juden der ganzen Pfalz in das Lager Gurs transportiert. Jakob Leva starb nach wenigen Wochen am 9. Dezember 1940. Im Lager herrschten katastrophale hygienische Bedingungen. Klara Leva kam von Gurs über Récébédou nach Drancy bei Paris und am 14. August 1942 mit dem Eisenbahntransport Nr.19 in das Konzentrationslager Auschwitz. Sie gilt als verschollen. Karolina Hanau, die Mutter von Klara Leva, emigrierte am 9. Januar 1939 neunzigjährig zu Verwandten nach Luxemburg.
Hiermit erlosch die jahrhundertealte jüdische Gemeinde Ruchheim.

Recherchiert von Willi Kern, Ruchheim, 2008