Heinrich Michel, Ludwigshafen

Heinrich Michel


HIER WOHNTE
HEINRICH MICHEL
JG. 1884
DEPORTIERT 1942
IZBICA
ERMORDET

StolpersteinstraßePfalzgrafenstr. 67
StolpersteinortLudwigshafen
Jahr der Verlegung2010
StolpersteininitiativeLudwigshafen

Persönliche Daten

NachnameMichel
VornameHeinrich
Geburtstag18. Juni 1885
GeburtsortKlingenmünster (Pfalz)
Familienstandverheiratet mit Gertrud, geb. Grün, zwei Töchter Ursula und Lilli
BerufJustizinspektor am Amtsgericht Ludwigshafen
Schicksal1942 verschleppt ins KZ Treblinka
SterbedatumVermutlich 1942
SterbeortKZ treblinka

Biographie

Heinrich Michel stammte ursprünglich aus einer jüdischen Familie in der Südpfalz, er wurde am 18. Juni 1885 in Klingenmünster geboren. Wann er nach Ludwigshafen kam, ist nicht bekannt. Im ersten Weltkrieg kämpfte er an der Front und erhielt das Eiserne Kreuz zweiter Klasse.  Am 31. Juli 1921 heiratete er Ida Maria Gertrud Grün (Rufname Gertrud), die aus Berlin stammte und eine entfernte Cousine von ihm war. Die am 13. April 1893 geborene Gertrud hatte zwar eine jüdische Mutter (eine geborene Levy), war aber selbst protestantisch wie ihr Vater. Die beiden hatten zwei Kinder, Ursula (geboren 1923) und Lilli (geboren 1927).
Heinrich Michel war beschäftigt als Justizinspektor am Amtsgericht Ludwigshafen. Er bezog mit seiner Familie eine Dienstwohnung in der Pfalzgrafenstraße 67 im Stadtteil Süd. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verlor Michel 1933 seine Stelle am Amtsgericht, obwohl er Weltkriegsteilnehmer und damit eigentlich zunächst unter die Ausnahmeregelung des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ gefallen wäre. Allerdings erhielt er offenbar vorerst seine Bezüge weiter und durfte somit keine andere Arbeit annehmen.

In der Reichspogromnacht auf den 10. November 1938 wurde die Wohnung der Familie Michel verwüstet. Die Familie flüchtete in das darüberliegende Stockwerk. Heinrich Michel  wurde verhaftet und wie die meisten anderen männlichen Juden ins KZ Dachau verbracht. Mitte Dezember 1938 wurde er entlassen.
Im Mai 1939 wurde er angewiesen, mit seiner Familie die Amtswohnung zu verlassen. Die vier zogen nach Mannheim. Im August schickten Heinrich und Gertrud Michel die älteste Tochter Ursula, dann 15 Jahre alt, mit einem Kindertransport nach England. Sie selbst5 versuchten, in die Schweiz zu fliehen, wurden jedoch an der Grenze zurückgewiesen. Sie kehrten später nach Mannheim zurück und wurden von dort im April 1942 ins KZ Treblinka deportiert. Dort wurde Heinrich Michel ermordet, ebenso seine Frau und die 14-jährige Lilli. Ursula überlebte in England als einzige. 

Nach Auskunft von Ursula Michels Tochter Judith Rhodes, England, Recherchen der Klasse 10 a des Geschwister-Scholl-Gymnasiums und Informationen von früheren Freundinnen Ursula Michels, Mai 2010.