Adolph Amschel Wetzlar, Dr., Ludwigshafen-Mundenheim

Adolph Amschel Wetzlar, Dr.

HIER LEHRTE
VON 1924 BIS 1933
DR. ADOLPH WETZLAR
JG. 1874
DEPORTIERT 1942
ERMORDET 1944 IN
AUSCHWITZ

StolpersteinstraßeJaegerstraße 9 und Karolina-Burger-Straße 8
StolpersteinortLudwigshafen-Mundenheim
Jahr der Verlegung2007 bzw. 2011
StolpersteininitiativeLudwigshafen

Persönliche Daten

NachnameWetzlar, Dr.
VornameAdolph Amschel
Geburtstag15. Oktober 1874
GeburtsortWürzburg
FamilienstandVerheiratet mit Else, geb. Spitz, zwei Söhne Lothar und Heinz. Eltern: Isaak Markus Wetzlar und Sara Wetzlar, geb. Schlenker
BerufStudienprofessor
SchicksalNach Entlassung aus dem Schuldienst Übersiedlung nach Mannheim, dann nach München. 1942 Deportation nach Theresienstadt, 1944 nach Auschwitz
Sterbedatumunbekannt
SterbeortAuschwitz

Biographie

Dr. Adolph Wetzlar wurde am 15. Oktober 1874 in Würzburg geboren. Er besuchte dort das Realgymnasium und legte das Abitur ab. Er studierte neuere Sprachen und legte die Staatsprüfung für das Lehramt an höheren Schulen ab.

Im Jahr 1909 heiratete Wetzlar in Nürnberg Elise Lippstadt, geboren am 19. April 1889 in Königsberg. Sie hatten zwei Söhne: Heinz, geboren am 18. Januar 1911 in Kronach, und Lothar, geboren am 7. August 1916 in Neu-Ulm. Die Ehe scheiterte, 1930 ließ sich das Ehepaar in Frankenthal (Pfalz) scheiden.

Am 14. Januar 1932 verheiratete Wetzlar sich in Ludwigshafen mit Else, geborene Spitz. Sie war geboren am 4. November 1893 in Zirke in der Provinz Posen.

Ab dem Schuljahr 1924/25 unterrichtete Professor Adolph Wetzlar Englisch und Französisch an der Oberrealschule an der Jaegerstraße in Ludwigshafen. Wiederholt hielt er sich in Frankreich und England auf, zuletzt 1929, um dort seine Sprachkenntnisse aufzufrischen. Er verfasste außerdem Lehrbücher.  Dr. Wetzlar war Mitglied des Literaturkreises Pfalz, Zirkel Ludwigshafen, den er zusammen mit dem Lehrer Hans Loschky leitete. Er engagierte sich zudem in der Demokratischen Partei.
 
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann ein Kesseltreiben gegen den Lehrer. Demonstrationen wurden gegen ihn angezettelt. Auf Veranlassung der Hitlerjugend versammelte sich am 13. Mai 1933 eine Anzahl von Schülern und Eltern, um gegen den jüdischen Studienprofessor zu demonstrieren. Als die Schulleitung der Oberrealschule die Kundgebung nicht genehmigte, hinderten die Schüler Klassenkameraden am Betreten der Schule. Kultusminister Hans Schemm nahm diesen Vorfall zum Anlass für einen Protest bei der HJ–Landesführung. Dr. Wetzlar wurde schließlich am 1. September 1933 als „Volljude“ aus dem Schuldienst entlassen.
   
Schon wenig später, am 4. Oktober 1933, siedelte der Professor von Ludwigshafen nach Mannheim über, schließlich meldete er sich am 4. Mai 1936 nach München ab. Dort unterrichtete er jüdische Kinder, die nicht mehr die öffentlichen Schulen besuchen durften und bot noch im Sommer 1941 in der israelitischen Kultusgemeinde Englischkurse an.  

Von München wurden Adolph und Else Wetzlar am 15. Juli 1942 nach Theresienstadt und am 28. Oktober 1944 schließlich mit einem der letzten Transporte nach Auschwitz deportiert. Beide wurden dort ermordet.   

Für Adolph Wetzlar sind zwei Stolpersteine verlegt worden: Vor dem Carl-Bosch-Gymnasium, der früheren Oberrealschule an der Jaegerstraße, und vor dem früheren Wohnhaus, Karolina-Burger-Straße 8.

Wetzlars Söhne Heinz und Lothar waren bereits 1933 nach Paris emigriert, 1936 dann über Spanien nach Portugal, schließlich wieder nach Südfrankreich, wo sie bis 1942 im Untergrund lebten. Von dort flohen sie in die Schweiz. Nach dem Krieg lebten sie zunächst wieder in Frankreich und kehrten 1954 nach Deutschland zurück, wo sie in Heidelberg die Fremdsprachenbuchhandlung Wetzlar aufbauten. Beide sind inzwischen verstorben. Lothars 1962 geborener Sohn Michael lebt in Shanghai.

Nach Recherchen von Schülern des Carl-Bosch-Gymnasiums, der Nachfolge-Schule der Oberrealschule, an der Wetzlar lehrte. Informationen über die Zeit nach dem Krieg von Michael Wetzlar, Stand 2009/2011.