Inhalt

Die 17-minütige Kurzdokumentation „Koffer gepackt und überlebt“ zeichnet das Leben von Ursula Michel vor dem Hintergrund der politischen Situation im nationalsozialistischen Deutschland chronologisch nach. Der Schwerpunkt liegt auf den Jahren 1938 bis 1942, in der Ursula Michel und ihre Familie den Repressalien des Nazi-Regimes ausgesetzt waren. Die aus Ludwigshafen stammende Protagonistin des Films konnte 1939 mit einem Kindertransport nach England entfliehen – ihre Familie, die Eltern und ihre jüngere Schwester wurden 1942 nach Polen deportiert und in einem Vernichtungslager ermordet.

Ziel/Zielgruppe

Der Film ist als eine Form der Erinnerungskultur für alle, die sich dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus widmen, bestimmt. Aus diesem Grund wird er sowohl in Gedenkveranstaltungen vorgeführt werden, als auch über die Homepage des Arbeitskreises Ludwigshafen setzt Stolpersteine abrufbar sein. Ein wichtiges Ziel ist, junge Menschen anzusprechen, ihnen das Geschehene erfahrbar zu machen. Der Film kann so ergänzend zu dem bereits publizierten Unterrichtsmaterial des gleichen Titels im Geschichtsunterricht oder sonstigen schulischen Veranstaltungen eingesetzt werden.

Realisierung

Im Frühsommer 2013 entschied der Arbeitskreis Ludwigshafen setzt Stolpersteine über die Herstellung des Films. Nach Klärung der monetären Optionen erhielten der Filmemacher Christian Schega sowie seine Kollegin Kristina Förtsch den Auftrag für die Gestaltung des Drehbuchs und die Filmproduktion.

Realisiert werden konnte der Film vor allem mit Briefen, Dokumenten, Fotos und Originalmaterialien, welche die Tochter von Ursula Michel, Judith Rhodes, aus dem Nachlass von Ursula Michel zur Verfügung stellte. Ergänzend wurden Schriftstücke und Bilder aus verschiedenen öffentlichen und privaten Archiven eingesetzt. Der Film zeigt darüber hinaus Originalinterviews mit Ursula Rosenfelder, einer Freundin der Familie aus den 1930er Jahren, sowie Judith Rhodes.

Technische Angaben

  • Länge: 17 min
  • Produktionsformat: HD, 1920x1080;
  • Bildformat (DVD):     PAL, 16:9
  • Ton:             Stereo, H.264
  • Fassungen: Deutsche Originalversion (deutscher Untertitel für das englischsprachige Interview), englische Version verfügbar

Produktion und Copyright

© Calimedia – Christian Schega
Im Auftrag des Arbeitskreises "Ludwigshafen setzt Stolpersteine" in der Initiative Lokale Agenda Ludwigshafen e.V., 2013/2014.

Mitwirkende

•    Interview-Partnerinnen:    Judith Rhodes, Leeds; Ursula Rosenfelder, Mannheim
•    Sprecher:        Nick Benjamin, Heidenheim
        Stimme von Ursula Michel – Franziska Benz, Ludwigsburg
•    Buch & Regie:        Kristina Förtsch
•    Produktion, Animation,     
Kamera, Musik:    Christian Schega
•    Recherche:    Monika Kleinschnitger, Liz Schimanski
•    Projektbetreuung:    ILA – Hans-Uwe Daumann, Johannes Graßl

Bilder und Schriftstücke

•    Privatarchive von Pfarrer Werner Keller, Heidelberg; Judith Rhodes, Leeds;
Ursula Rosenfelder, Mannheim
•    Stadtarchive Ludwigshafen und Mannheim
•    The Wiener Library, London
•    Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien

Filmprojektteam

•    Hans-Uwe Daumann, ILA Initiative Lokale Agenda 21 Ludwigshafen e.V.
•    Johannes Graßl, Arbeitskreis Ludwigshafen setzt Stolpersteine
•    Monika Kleinschnitger, Sprecherin des Arbeitskreis Ludwigshafen setzt Stolpersteine
•    Liz Schimanski, Arbeitskreis Ludwigshafen setzt Stolpersteine

Dokumentarfilm „Koffer gepackt und überlebt“

Der Titel ist Programm. Der Dokumentarfilm „Koffer gepackt und überlebt“ erzählt von Ursula Michel, die mit einem der letzten Kindertransporte 1939 nach England ausreisen konnte.

Die Verfolgung von Ursula Michel und ihrer Familie beginnt in Ludwigshafen am Rhein. Ihre Rettung ist ein Kindertransport, der sie zur Liverpool Station in London in Sicherheit bringt: sie überlebt, ihre Eltern Heinrich und Gertrud und ihre kleine Schwester Lilli, werden in Lagern der Nazis ermordet. Der Film von Christian Schega und Kristina Förtsch entstand nach einer Idee des Arbeitskreises Ludwigshafen setzt Stolpersteine. Er erzählt die Geschichte der Ursula Michel, die durch den Kontakt zu Pfarrer Hermann Maas, der von Heidelberg aus einen Kindertransport nach England organisierte, gerettet werden konnte.
Ursula verlebt in der Pfalzgrafenstraße in Ludwigshafen eine weitgehend glückliche Kindheit. Nach der Reichspogromnacht 1938 wird alles anders. Ursula wird vom Schulbesuch am Mädchengymnasium, dem heutigen Geschwister-Scholl-Gymnasium, ausgeschlossen. Ihr Vater Heinrich Michel wird, wie viele andere Ludwigshafener Juden, von November bis Dezember 1938 in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Im Mai 1939 flieht die Familie nach Mannheim, wo sie in den H-Quadraten bis zur Deportation nach Polen am 24. April 1942 lebt.  Ursula  überlebt, weil sie Deutschland bereits am 25. August 1939 mit einem der letzten Kindertransporte nach England verlassen konnte.

Mit Parlamentsentscheid vom 22. November 1938 erlaubte die britische Regierung die Einreise von ca. 10.000 jüdischen und sog. nicht-arischen Kindern, sofern für deren finanzielle Unterstützung gesorgt war. Jedem Kind waren zur Mitnahme ein Koffer, ein Handgepäckstück und 10 Reichsmark erlaubt. Am 26. August 1939 erreicht Ursula Michel den Zielbahnhof Liverpool Street Station in London und wird von der Familie Hawthorn in Nord-Staffordshire aufgenommen. Dort lebt sie bis zu ihrer Hochzeit mit Harold Rhodes am 27. Juli 1946. Am 16. Januar 1953 wird ihre Tochter Judith geboren.

Dies sind auch die einzelnen Stationen, die der Dokumentarfilm an Hand von Bildern aufgreift, in Interviews analysiert und mit Kommentaren erläutert. „Koffer gepackt und überlebt“ erzählt von Ursula und ihrer christlich-jüdischen Familie, von ihren Ängsten, von der Flucht, dem Überleben und dem Leben danach ohne Familie in England.

Mehr zur Uraufführung des Films am 26. Januar 2014 ->

Sponsoren und Unterstützer

Wir danken für die finanzielle Unterstützung:

  • ICL, Ludwigshafen
  • Medienkompetenz Forum Südwest Stiftung, MKFS
  • Landtag Rheinland-Pfalz
  • Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz
  • Sparkasse Vorderpfalz


Ohne diese Sponsoren und das ehrenamtliche Engagement des Arbeitskreises Ludwigshafen setzt Stolpersteine wäre das Projekt nicht umsetzbar gewesen.

Schirmherrschaft durch den Britischen Botschafter, Berlin