Mit der Kamera Geschichte entdecken

Pressemitteilung der Stiftung Medienkompetenz Forum Südwest, September 2014

Überall dort, wo Menschen auf Menschen treffen, herrscht Alltag. Nur selten geht es darum, über einen roten Teppich zu schreiten und im Rampenlicht zu stehen. Leben ist Arbeit und Gewohnheit, Freizeit und Abwechslung.

Genau diese alltäglichen Momente sind oft die besonderen, und aus Geschichten wird Geschichte. Das war früher so, das gilt auch heute. Vor Ort, im Kleinen, wird gelebt, und das genaue Hinschauen lohnt - z.B. auf die jungen Menschen. Anhand eines historischen Beispiels der jungen Ursula Michel, die im Jahr 1939 als 15-jährige gezwungen wird, ihre gesamte Familie zu verlassen. Mit einem der letzten Kindertransporte gelangt sie nach England und überlebt als einziges Mitglied ihrer Familie die Judenverfolgung. Ein Leben lang ist sie geprägt von den Ereignissen der Kriegsjahre, doch erst ihre in England geborene Tochter macht sich auf, Licht in das Dunkel des mütterlichen Schicksals zu bringen.

Judith Rhodes erzählt bereitwillig auch vor der Kamera, dass es kein unbelastetes Überleben gibt. Entstanden ist ein gleich in mehrfacher Hinsicht beispielhafter Film - eine Erzählung, die ermutigt, sich der Vergangenheit zu stellen und Antworten auf offene Fragen zu finden; eine Erzählung auch, die aufzeigt, dass es oft der Blickwinkel ist, der eine Geschichte neu und ganz anders interessant macht. Der Film selbst steht unter www.mkfs.de/unterrichtsideen zum Download und zum Streamen bereit. Und begleitend zum Film gibt es nun von der Regisseurin Kristine Förtsch eine Broschüre mit dem Titel "Koffer gepackt und überlebt - Regionalgeschichte im Film", die ausführlich und sehr anschaulich erläutert, wie man aus einer interessanten Geschichte einen guten Film mit Regionalbezug selbst drehen kann.

Unterrichtsmaterial zur Geschichte der Kindertransporte nach England 1938/39

Der "Arbeitskreis Ludwigshafen setzt Stolpersteine" hat ein biographisches Quellenbündel zur Geschichte der Kindertransporte nach England 1938/39 herausgegeben. Erarbeitet wurden die Unterrichtsmaterialien aus dem Nachlass von Ursula Michel; Bilder, Briefe und Dokumente hat ihre Tochter Judith Rhodes dem Arbeitskreis zur Verfügung gestellt. Das Schicksal der Familie Michel, insbesondere der Weg der älteren Tochter Ursula Michel, ermöglicht einen sehr direkten Zugang zu den chronologischen Abläufen der Zeit des Nationalsozialismus, der sich leicht mit den Darstellungen in den Geschichtsbüchern der Sekundarstufen I und II verknüpfen lässt.

Das von Marita Hoffmann gestaltete und im Llux-Verlag publizierte Lehrmaterial unter dem Titel „Koffer gepackt und überlebt - Von Ludwigshafen nach Liverpool Street Station“ zum Schicksal von Ursula Michel kann kostenfrei beim Arbeitskreis "Ludwigshafen setzt Stolpersteine" angefordert werden.