Judith Rhodes

My mother, Ursula Michel, always talked about her family, so I grew up knowing about her independent, mischievous younger sister Lilli, her strict father Heinrich, her music-loving mother Gertrud with the big family back in Berlin. As I became older I learned the other things about them – how hard their lives became, and finally their dreadful deaths.

I first learned about Stolpersteine when a friend in Dortmund showed me some in her neighbourhood, then I began to see them in other places, and I always stopped to read them. I started to wonder if it would be possible to have some laid for my own family, and with the help of a good friend who lives in Viernheim I made contact with Frau Kleinschnitger and the ILA team. The Stolpersteine for the Familie Michel were laid in front of their apartment at Pfalzgrafenstraße in May 2010.

In October 2010 my father Harold Rhodes died. He had been a successful coal mining engineer, and some of his papers and memorabilia were quite important, so I donated a collection of them in his name to a Mining Library. When my mother died in August 2011, I felt that I wanted to do something to commemorate the end of her life too, and so I offered a donation to the ILA in her memory. This was eventually used to produce the “Koffer gepackt und überlebt” Quellenbündel – it is a wonderful project, and there could be no better memorial to my mother and her family. To teach young people about the past in such a practical yet personal way is an important educational tool, and I am very proud to have been part of it.

My mother had a big folder full of letters, some were official correspondence, but most were from her parents and Lilli during the years after my mother came to England. I had these translated into English, and as I read them, for the first time I began to see my family as real people. Previously, they were figures that I heard about from my mother’s memories, and she always remembered them through the eyes of the 15-year old girl she was when she last saw them. Now, 70 years too late, I met my grandparents and my aunt for the first time. And now, 70 years after they died, the Michel family are remembered again in Ludwigshafen, thanks to the work of the ILA and their colleagues and associates.

Judith Rhodes, 26.12.2013

Judith Rhodes 2010 bei der Verlegung von Stolpersteinen für ihre Mutter Ursula Michel, für Heinrich, Gertrud und Lilli Michel in der Ludwigshafener Pfalzgrafenstraße.

Ursula Rosenfelder

Judith Rhodes und Ursula Rosenfelder

"Mein Name ist Ursula Rosenfelder und ich lebe in Mannheim. Als Kind war ich 'die Ursel Schwab' und ich lernte als Zehnjährige im Jahr 1939 meine Freundin Lilli Michel kennen. Wir lagen beide mit Scharlach im Krankenhaus und mussten 6 Wochen in der Klinik bleiben. Danach waren wir gute Freundinnen und auch unsere Familien freundeten sich miteinander an. Frau Michel und meine Mutter Lotte Schwab teilten das Schicksal der Ausgrenzung und Verfolgung. Meine Mutter war Jüdin, mein Vater Johann Schwab katholisch, meine Schwester Ruth und ich galten als 'Mischlinge 1.Grades' und mussten schon sehr früh die Schule verlassen. Wir lebten in Mannheim in der Seckenheimer Straße und die Familie Michel war bei uns oft zu Gast. So lernten die Michels auch über meinen Vater Herrn Pfarrer Maas aus Heidelberg kennen, der ein ganz feiner Mensch war. Er verschaffte schließlich noch vor Ausbruch des Krieges Ursula einen Platz im Kindertransport nach London. Ich werde nie vergessen, wie Gertrud Michel nach der Abfahrt ihrer älteren Tochter bei uns war und unter Tränen ihre Gedanken aussprach: 'Dich, mein Kind, werde ich nie wieder sehen.' Die Familien wuchsen nach der Abreise von Ursula noch enger zusammen, verbrachten Weihnachten und andere Feiertage gemeinsam, erlitten gemeinsam den Abtransport meiner Oma nach Gurs im Jahr 1940 und die immer bedrohlichere Entwicklung für die noch in Mannheim ansässigen Juden und deren Familien. Mit Lilli habe ich mich einmal ins Herweck-Bad auf dem Lindenhof geschmuggelt, obwohl wir wussten, dass das gefährlich war. Sie war eine wahre Schönheit und ein lebensfrohes Mädchen. Wir hatten Spaß zusammen. Mein Vater hat später noch versucht der Familie Michel zur Flucht in die Schweiz zu verhelfen. Der Versuch scheiterte, weil Heinrich vor den letzten Schritten – möglicherweise unter Beschuss der Grenzsoldaten – Angst um das Leben von Lilli hatte und die Flucht abbrach.

Kurz vor dem Abtransport der Michels nach Polen gab mir Vater Heinrich eine gute Flasche Wein. Er bat mich sie dem ersten Befreier zu geben, den ich nach dem Krieg sehen würde. Das habe ich getan. Wir haben sie 1945 mit amerikanischen GI’s am Tag der Befreiung getrunken.
 
Meine Familie hat – bis auf meine Oma – den Holocaust durch viel Glück überlebt. Diese Zeit der Angst, der Verfolgung und des Verlustes von vielen lieben Menschen hat unser Leben geprägt. Meine Mutter hat nach dem Krieg versucht wieder Kontakt zu Ursula in England aufzunehmen. Das ist allerdings nicht gelungen. Umso mehr freut es mich, dass deren Tochter Judith die Vergangenheit aufbereitet, den Kontakt wieder hergestellt und auch mit meiner Tochter Freundschaft geschlossen hat. Das hätte meine Eltern und die Michels sehr gefreut! Ich bin dafür unendlich dankbar.“

Ursula Rosenfelder geb. Schwab, 29.12.2013